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Physiotherapie in Uganda. Praktikumsbericht von Emily.

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Bild zur Meldung: Praktikum physiotherapie in Uganda

Physiotherapie in Uganda. Praktikumsbericht von Emily. 

3 Wochen Uganda – diese Zeit ging viel zu schnell vorbei. Doch neben all den wundervollen Erfahrungen die ich sammeln durfte, wie Safari, Bootstouren, Rafting und auch einem Einblick in die Lebensweisen und Kultur, war der Hauptgrund für meinen Aufenthalt die Physiotherapie. 

Ich befinde mich derzeit noch im letzten Ausbildungsjahr zur Physiotherapeutin und habe innerhalb der Ausbildung viele praktische Einsätze und kann einige Einblicke sammeln. Vor circa 2,5 Jahren lernte ich Vanessa kennen, die in der Physiotherapieschule in Deutschland den Verein sowie auch die Physiotherapie und besonders den Bedarf an Behandlungen in Uganda vorstellte. Im Sommer 2024 nutzte ich dann meine Sommerferien, um einen Einblick in die Physiotherapie in Uganda zu bekommen. 

Innerhalb meines 3-wöchigen Aufenthalts durfte ich in verschiedenen Einrichtungen hospitieren und die Physiotherapeuten während ihrer Therapien begleiten. Eines war sofort am ersten Tag klar: der Bedarf an Therapie ist riesig. Meine erste Praktikumswoche durfte ich in der Einrichtung Home of Hope verbringen, wo hauptsächlich Kinder, aber teilweise auch junge Erwachsene mit körperlichen sowie auch geistigen Behinderungen leben. Die Einschränkungen waren bei den meisten Betroffenen sehr stark, sodass eigentlich eine intensive therapeutische Betreuung notwendig wäre, was jedoch auf Grund des Mangels an Fachpersonal leider nicht möglich ist. 

Mir wurde bereits am ersten Tag klar, dass die Versorgung in Afrika definitiv nicht so geboten werden kann, wie es in Deutschland der Fall ist. Die räumlichen Verhältnisse sind zwar nicht, wie man es aus Deutschland gewohnt ist, aber vollkommen ausreichend. Allerdings mangelt es leider vor allem an der Ausstattung, beispielsweise mit Hilfsmitteln, die hilfreich für die Therapie wären. Die Hilfsmittel, die vorhanden sind, sind teilweise schon sehr alt und/oder können nicht individuell eingestellt werden, sodass ein langfristiger positive Effekt oder auch Erfolg nicht oder nur kaum vorhanden ist. Hauptsächlich geht es darum, dass sich die Zustände nicht verschlechtern.  Da der Bedarf an Therapie so hoch ist, kann der eigentlich notwendigen Therapieintensität nicht gerecht werden. Inspirierend fand ich, dass die Therapeuten auf Grund des Hilfsmittelmangels kreativ wurden und aus Naturmaterial einen Barren für ein Kind gebaut haben, damit es die Möglichkeit hat, wieder laufen zu lernen. 

Die anschließenden Tage verbrachte ich dann bei Softpower, wo größtenteils Erwachsene, aber auch Kinder behandelt werden. Dort sah die Physiotherapie schon ganz anders aus. Zwar gab es auch nur einen kleinen Raum, indem teilweise 3 Physiotherapeuten gleichzeitig behandelt haben, allerdings standen Behandlungsliegen und Hilfsmittel wie bspw. Therabänder, aber auch Schmerzsalben, Verbandsmaterial, ein kleines Trampolin oder auch Hygieneartikel wie Handschuhe und Desinfektionsmittel zur Verfügung. Zudem wurden alle Behandlungen digital registriert und dokumentiert. Doch auch hier waren keine festen Termine vereinbart, sondern die Patienten erschienen einfach zur Behandlung und warteten so lange, bis ein Therapeut o. eine Therapeutin Zeit hatte. Vorab erfolgten einige Untersuchung durch Pflegekräfte, Ärzte etc., welche die Patienten auf Grund der vorhandenen Beschwerden dann zur Physiotherapie schickten. In Deutschland sind wir es gewohnt, feste Termine zu vereinbaren und zu diesen auch pünktlich zu erscheinen. Zudem sind die Termine meist auf 20-30 Minuten begrenzt, was leider oftmals garnicht ausreichend ist. Das ist in Uganda ebenfalls anders gewesen, denn wenn eine Behandlung mal 30 Minuten oder auch 1 Stunde gedauert hat, war das eben so. An diesen Unterschied musste ich mich erstmal gewöhnen, denn die Uhr tickt in Uganda anders und alle sehen die Dinge deutlich entspannter. Oft wussten die Physiotherapeuten nichtmal viel über die Patienten und deren Krankheitsgeschichte, es wurde individuell auf die Beschwerden eingegangen. Für die Therapien werden einfach die Möglichkeiten genutzt, die sich vor Ort anbieten und auch das scheint irgendwie zu funktionieren. 1x die Woche fahren die Physiotherapeuten zum sogenannten ,,Outreach‘‘, was in Deutschland die Hausbesuche sind. Auch hier bekam ich die Möglichkeit mitzufahren. Da die Wohnverhältnisse teilweise nicht ausreichten, fand die Behandlung meist draußen statt. 

Für einen Tag konnte ich dann auch die Physiotherapiepraxis von Vanessa und Henk besuchen und Einblicke in die Therapie gewinnen. Die Praxis kam dem deutschen Standard schon sehr nah und war dementsprechend auch gut ausgestattet. Dort kamen hauptsächlich erwachsene Patienten zur Behandlung, mit ,,klassischen‘‘ Beschwerden wie Rückenschmerzen. Hier wurden allerdings Termine vereinbart, die jedoch auch nicht immer ganz so eingehalten wurden, wie vereinbart. 

Insgesamt war es eine tolle Erfahrung und allein der Austausch, egal ob mit den Therapeuten oder mit den Patienten, ist so viel Wert und ermöglicht es mir nun viele Dinge auch mal aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten. Ich bin mir sicher, dass nicht nur ich von diesem Austausch profitieren werde. 

Ich fand es besonders beeindruckend zu sehen, wie engagiert und hilfsbereit die Menschen vor Ort sind und sich wirklich größte Mühe geben, Betroffene zu unterstützen und zu helfen, wo es nur geht. Da wird einem bewusst, wie gut wir es in Deutschland haben und wie glücklich wir uns schätzen sollten, so ein Gesundheitssystem genießen zu dürfen. 

Ich bin unendlich dankbar, dass ich all diese Erfahrungen sammeln konnte und vor allem für die tolle Organisation und Betreuung vor Ort durch Vanessa – vielen Dank! Schon nach einigen Tagen war klar: Ich komme wieder, das steht fest! 

Emily 

 Emily in Uganda